XINGLENOVELA - Erste Folge
Der aufmerksame Leser weiß, ich verlustiere mich auf der Businessplattform openbc, die allerdings seit kurzem XING heißt. Jobbedingt ist die Plattform für mich nicht sonderlich reizvoll, aber dafür haben ich meine halbe 4c, meinen halben Kurs der Kinderschauspielschule und Studienfreunde wieder gefunden. Also im privaten Bereich in wahre Fundgrube.
Nun bin ich kein openbcler mehr sondern ein XING. XING ist, so wurde es den Mitgliedern erklärt, wahnsinnig international und wir können jetzt auch China erobern. Toll!! Ich bin wirklich begeistert, vielleicht hat sich die andere Hälfte meiner 4c nach China verzogen. Oder aber chinesisch zensierte Magazine entwickeln ein gesteigertes Interesse an Produktionen mit Florian Silbereisen und wollen alle bei mir kaufen. Ich gehe zwar schwer davon aus, dass Florian erstmal zensiert werden muss im Bereich seiner Strähnchenfrisur…aber hey scheiss auf Zensur, Hauptsache wir machen uns in China breit. Bei dem Boom dort gibt es eventuell in kürzester Zeit Bedarf an neuen Straßennamen „Florian-Silbereisen-Allee“ oder die „Hera-Lind-Avenue“.
Meiner Meinung nach ist XING die Abkürzung von XINGLES, dem chinesischen Wort für Singles. Singles sind der Markt der Zukunft und durch und mit ihnen kann man viel Geld verdienen! Also, alles nur Tarnung für eine neue Singlecommunity im World Wide Web. Nur die wirklich wichtigen Angaben wie Beruf, Position und Interessen werden bekannt gegeben. Frau will schließlich finanziell abgesichert sein und Mann will eine Frau, die im Falle von Arbeitslosigkeit oder Faulheit für den Unterhalt sorgen kann. Ok, es gibt auch noch Suche und Biete, aber nebenbei kann man ja um den Schein zu wahren auch ein wenig geschäftliches bekakeln.
Wir haben auch eine neue Optik bekommen. Dezentes grau wurde ersetzt durch penetrantes grün und petrol aus den 80igern. Wenn schon petrol, dann doch bitte nur in Kombination mit ocker! Eventuell käme noch brombeer in Frage. Die wohl geschmacklosesten Farben aus den 80igern. Gestanden haben sie niemandem, aber alle sind drin rumgerannt. Das derzeitige Outfit des openbc äh ne XING hätte ich eher einer KITA angeboten, aber was soll’s? Dank einem kleinen Film wissen wir nämlich, dass wir nichts vermissen werden. Nein, falsch. XING Chef Lars wurde gefragt, ob die Nutzer etwas vermissen werden. Nach langem Schweigen im Walde und komischem Kopfgewackel kam die Antwort doch sehr souverän und überzeugend „Ich vermisse nichts“ – Die Frage nach dem „die Mitglieder“ wird beantwortet durch ein „Ich“. Diese Aussage unterstützt wieder meine Theorie, XING richtet sich in erster Linie an die egoistischen Singles, die ihr Leben lieber in Unabhängigkeit und Freiheit als in Abhängigkeit und im Käfig verbringen wollen. Hmm schon fast ein therapeutischer Ansatz.

2 Comments:
Das trifft mich bis ins Mark! Mir wird diese Option vorenthalten.
Weil ich kein Xingle mehr bin?
Oder weil ich kein Anhänger des giftgrünen, wirklich scheußlichen neuen Designs bin?
Oder weil ich Kritik geübt habe?
Wie auch immer, es gibt sicher intelligentere Methoden, sein Geld loszuwerden.
Nett geschrieben. Danke!
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